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Eine besonders im JuraStudium beliebte LernTechnik setzt Karteikarten ein.
1. Karten selbermachen
Schon bei der Beschriftung der Karten ist auf die richtige Technik zu achten. Viele Leute beschriften eine Karteikarte nämlich folgendermaßen: Sie lesen ein Lehrbuch - soweit, sogut - und übertragen dann Teile des Lehrbuchs, die sie für wichtig halten, komplett auf die Karten. Das dürfte eher kontraproduktiv sein.
Der Vorteil von Karteikarten liegt vor allem darin, dass sie einen dazu zwingen, sich kurz zu fassen. Das sieht dann beispielsweise so aus:
- Auf der Vorderseite schreibe ich in die Ecke rechts oben das Rechtsgebiet, unter dem ich die Karte, wenn ich sie gelernt habe (man hofft ja, solange man lebt), ablege, z.B. Strafrecht AT. Links oben steht der Name der Karte, das, worum es geht, etwa Diebstahl, § 242 StGB, dicker Strich drunter. Auf die Karte selbst kommt in die Mitte das, was ich lernen will: die Definition von Tatbestandsmerkmalen etwa, hier z.B. Wegnahme. Auf die Rückseite der Karte schreibe ich nur zwei Dinge: Zum einen die Lehrbuch- bzw Kommentar-Definition ("Bruch fremden und Begründen neuen Gewahrsams"), und darunter die Merkworte, die ich mir auch tatsächlich einpräge (hier "Gewahrsamsbruch" und "Gewahrsamsbegründung"). Wenn ich nun lediglich die beiden Schlagworte lerne, brauche ich diese in einer Klausur nur noch in einen logischen Satz unterzubringen, und schon hab' ich meine Definition. (Witzigerweise kommt dabei meist ziemlich dieselbe raus wie in Lehrbüchern und/oder Kommentaren, obwohl ich speziell die eigentlich nie gelernt habe, sondern immer nur meine persönlichen "Lianen", an denen sich mein Gedächtnis dann entlanghangelt.)
Und solange man sich wirklich kurz fasst (die "magische Sieben", d.h. maximal sieben "Einzel-Lianen", denn mehr kann das Gedächtnis ohne Mühen nicht aufnehmen, behalten und wiederaufrufen), funktioniert das einigermaßen gut.
Mehr als sieben Elemente erreicht man durch die Bildung sogenannter "Super-Zeichen". Beispiel:
- Oben haben wir ja schon gesehen, dass der Diebstahl, oder einfach § 242 StGB, Wegnahme (Bruch fremden und Begründung neuen Gewahrsams) und Zueignungsabsicht ist. Diebstahl ist dann ein Superzeichen für diese beiden Elemente, von denen eines schon zwei enthält, also drei Elemente.
- Nötigung, oder einfach § 240 StGB, ist zum Beispiel ein Superzeichen, welches eine (Nötigungs-)Handlung, ein (Nötigungs-)Ziel und Verwerflichkeit erfordert, also drei Elemente.
- Darüber wiederum schwebt das Superzeichen "Raub", oder einfach § 249 StGB: Dieses beinhaltet eine Nötigung und einen Diebstahl, dh eine Handung, ein Ziel, die Verwerflichkeit, einen Bruch fremden Gewahrsams, eine Begründung neuen Gewahrsams, die Absicht der rechtswidrigen Zueignung. Das alles in dem Superzeichen Raub (4 Buchstaben), bzw. 249 (drei Zahlen). Schmeiß dieses einen gebildeten Mitstudenten an den Kopf, und er hält Dir über drei Zahlen einen vierstündigen Vortrag...
Wenn es dann mal wirklich umfangreicher Stoff ist, mußt Du das Ganze eben so lange aufdröseln, bis "gehirn-gerechte Lianen" rauskommen; dann schreibst Du eben nicht eine Karteikarte zur Kausalität im Strafrecht, die ohne weiteres auch als Taschenkommentar durchgehen könnte, sondern zehn: Strafrecht AT, Kausalität, Welche Theorien gibt es? Strafrecht AT, Kausalität, Definition nach der Adäquanz-Theorie? Strafrecht AT, Kausalität, Vorteile der Adäquanz-Theorie? Strafrecht AT, Kausalität, sine qua non? etc. Macht 'ne Heidenarbeit, aber dafür lernst Du gehirn-gerecht und schon beim Bearbeiten.
Dehalb auch: Hart bleiben und selbst erstellen, bloß nicht kaufen!
Die FünfFächerKartei soll dabei helfen, dass die Karten in den richtigen Intervallen wiederholt werden.
Ein sehr guter Artikel zum Thema "Erfolgreich & effizient Lernen mit Karteikarten" http://www.lerntechniken.info/erfolgreich-effizient-lernen-mit-karteikarten
2. Karten kaufen
Es gibt einige Anbieter, die fertige Karteikarten anbieten, hier eine Auswahl:
Repetitorium Alpmann-Schmidt Alpmann Cards Digitale Karteikarten
niederle media Karteikarten von niederle media
Jura Karteikarten für die Lernkartei Repetico Jura Karteikarten
Repetitorium Hemmer Hemmer Karteikarten und Übersichtskarten
Münchenhausen & Partner, jetzt Luchterhand Karteikarten (auch für das RechtsReferendariat)
3. Elektronische Karten
Anki ist ein plattformübergreifendes Programm (Mac OSX, Linux, Windows, iOS, Android...) zur Erstellung von Karteikarten. Die Karteikarten können über einen kostenlosen Webdiest (ankiweb) synchronisiert werden. Bei der Abfrage gibt es vier Möglichkeiten, die eigene Antwort zu bewerten. Die Karten werden dann in einem bestimmten Intervall erneut abgefragt. OpenSource und kostenlos!
Mit den Jura-Vorlagen wird Anki zum ersten Lernprogramm, das speziell für juristisches Wissen angepasst ist. Die Jura-Vorlagen stellen eigene Eingabemasken für Streitstände, Prüfungsschemata und andere typische juristische Informationen bereit. Dadurch kann man juristisches Wissen viel schneller und bequemer auf Karteikarten übertragen. Auf der Seite zu den Jura-Vorlagen finden sich auch viele allgemeine Hinweise zur Verwendung von Anki im Jura-Studium.
blitzcards.de ist eine Lernplattform, auf der man fertige Kartenstapel lernen oder eigene Karteikarten kostenlos selbst erstellen kann. Das Lernsystem merkt sich den Status jeder einzelnen Karte und errechnet Fälligkeitszeitpunkte, sodass unnötiges Wiederholen vermieden wird.
Die KarteikartensoftwareBRAINYOO ermöglicht offline digitale Karteikarten zu erstellen und zu lernen sowie mit der zugehörigen iPhone App zu synchronisieren.
CoboCards ist eine Webapplikation mit der man alleine oder im Team Karteikarten online oder mobil erstellen und im Browser oder auf dem iPhone/Android Phone lernen kann.
Die Jura-Lernplattform www.econtrario.de bietet hochwertige multiple choice Fragen für Juristen zum online Lernen und die Möglichkeit, eigene Aufgaben zu erstellen.
econtrario ist eine kostenlose eLearning-Plattform für Juristen. Hier kann man mit mehreren hundert Jura-Karteikarten aus allen Rechtsgebieten lernen, eigene Karteikarten erstellen und mithilfe der virutellen Karteibox sein eigenes Lernprogramm zusammenstellen. econtrario dokumentiert den Lernfortschritt und erinnert die Nutzer individuell an das Wiederholen ihrer "Lieblingskarteikarten".
ediscio.de ist ein soziales Netzwerk zum gemeinsamen Erstellen und Nutzen von Karteikarten. Ein Lernplan nach dem Leitner-Lernkartei-Algorithmus wird automatisch erstellt.
ichlerneonline.de Online Karteikarten schreiben und nach dem 5-Fächer-Prinzip lernen. Die Nutzung ist komplett kostenlos.
Der Jura-Karteikarten-Trainer imemo http://www.imemo.eu bietet elektronische Karteikarten fuer Jurastudenten. Nicht nur Definitionen, sondern auch Inhalte werden vermittelt.
Pilgermanns Lernkartei setzt die Karteikarten-LernTechnik, insbesondere die FünfFächerKartei für den Computer um (siehe auch JuraLernPlattform).
planet-tmx ist eine Online-Lernplattform zum gemeinsamen Erstellen und Trainieren von Karteikarten. Basiert auf dem Leitner-System und bietet eine Reihe von Karten- und Aufgabentypen (z. B. Multiple-Choice). Mit dabei ist ein Vokabeltrainer (inklusive Rechtsenglisch).
Die Jura Lernsoftware Repetico - Alleine oder im Team Karteikarten erstellen und online & mobil auf dem Smartphone & Tablet PC lernen. Für Repetico gibt es auch Online Lernkarten von Alpmann Schmidt.
Auch folgende Programme dürften sich dafür einsetzen lassen:
CUEcards (Windows)
Scribble Papers (Windows)
iFlash (Mac OS)
synapsen (Mac OS X, Windows, Linux) - Das ist aber mehr (oder nur?) ein Programm zur LiteraturVerwaltung.
4. Lernen ohne Karten
Die Karteikarten-Lerntechnik liegt nicht jedem. Bevor man sich damit rumquält, sollte man lieber andere LernTechniken anwenden.
5. Luhmanns Zettelkasten
Wie funktioniert eigentlich der berühmte Luhmannsche Zettelkasten? Vgl. hierzu Handakte vom 18.04.04. Eine elektronische Variante des Luhmannschen Zettelkastens ist das Freeware-Programm Zettelkasten, http://zettelkasten.danielluedecke.de/.